Elternzeit & Mindset

Zurück in den alten Job oder eigenes Business? So triffst du die Entscheidung

Klaus Miller, Mitgründer von Linda und Klaus

Es ist meist nachts, beim Stillen oder wenn die Wohnung endlich still ist, dass die Frage auftaucht: In ein paar Monaten endet die Elternzeit, und will ich da eigentlich wirklich zurück? Zurück an den Schreibtisch, in die Meetings, in das Leben von vorher, das sich plötzlich anfühlt wie die Jacke von jemand anderem?

Falls du diese Frage kennst: Sie ist kein Zeichen von Undankbarkeit und kein Hirngespinst. Sie ist eine echte Weggabelung, und sie verdient eine bessere Antwort als Instagram-Sprüche („Kündige und folge deinem Traum!“) oder Schulterzucken („Sei froh, dass du einen sicheren Job hast“). Hier kommt der ehrliche Vergleich, und ein Weg, die Entscheidung nicht raten zu müssen, sondern zu testen.

Warum sich diese Frage genau jetzt stellt

Die Elternzeit ist eine der wenigen echten Zäsuren im Erwachsenenleben: Zum ersten Mal seit Jahren stehst du neben deinem Berufsalltag statt mittendrin, und siehst ihn von außen. Gleichzeitig tickt eine Uhr: Dein Rückkehrrecht ist ein Sicherheitsnetz mit Ablaufdatum. Genau diese Kombination macht die Frage so drängend, und genau deshalb lohnt es sich, sie jetzt bewusst zu beantworten, statt einfach in den alten Trott zurückzurutschen und in fünf Jahren wieder aufzutauchen.

Was der alte Job wirklich kann, eine faire Würdigung

Fangen wir mit dem an, was in Gründerinnen-Blogs gern unterschlagen wird: Ein Angestelltenjob hat echte, schwer ersetzbare Qualitäten. Das Gehalt kommt pünktlich, egal ob du krank bist oder das Kind vier Wochen Kita-Eingewöhnung braucht. Krankenversicherung, Rente, bezahlter Urlaub, alles automatisch. Kolleginnen, Struktur, Feierabend, der diesen Namen verdient. Und nicht zuletzt: Wenn du deinen Beruf magst, ist Zurückgehen kein Scheitern, sondern eine gute Entscheidung.

Aber es gibt auch die andere Seite der Abrechnung, und die kennst du vermutlich, sonst würdest du das hier nicht lesen: die Fremdbestimmung über deinen Kalender. Die Vereinbarkeits-Realität, in der jeder Kita-Infekt zur Verhandlungssache wird. Das Pendeln. Und für viele Mamas die Teilzeitfalle: weniger Stunden, aber gefühlt dieselbe Arbeit, bei kleinerem Gehalt und angehaltener Karriere.

Was das eigene Business kann, und was es kostet

Die Habenseite: Du bestimmst, wann du arbeitest. Shootings am Vormittag, Bildbearbeitung nach dem Zubettbringen. Du arbeitest an etwas Eigenem, das wächst und dir gehört. Kein Anfahrtsweg, keine Anwesenheitspflicht, kein Chef. Und ein Einkommen, das nicht bei X Stunden gedeckelt ist, sondern mit deinem Können wächst, was realistisch drin ist, haben wir hier ehrlich vorgerechnet.

Die Sollseite, genauso ehrlich: Am Anfang ist das Einkommen unsicher und klein, der Aufbau ist unbezahlte Arbeit auf Vorschuss. Du brauchst Selbstdisziplin ohne Chef und musst Dinge lernen, die mit Fotografie nichts zu tun haben: Preise, Steuern, Sichtbarkeit. Krankenversicherung und Rente organisierst du selbst. Und es gibt Wochen, in denen du an dir zweifelst, die gehören dazu, bei allen.

Der Denkfehler: Es gibt nicht nur A oder B

Die meisten Frauen bleiben bei dieser Frage stecken, weil sie sie als Alles-oder-nichts-Entscheidung rahmen: sofort kündigen ODER für immer bleiben. Beides ist falsch. Der kluge Weg ist fast immer der dritte: der gestaffelte Übergang.

  • Stufe 1, jetzt, in der Elternzeit: Du baust nebenbei auf, geschützt durch dein Rückkehrrecht. Die Regeln dafür sind machbar, das Gewerbe ist ein Nachmittag Papierkram.
  • Stufe 2, nach der Elternzeit: Du kehrst in Teilzeit zurück und führst das Business nebenbei weiter. Der Job zahlt die Miete, das Business wächst, und du vergleichst nicht mehr Fantasie gegen Realität, sondern zwei Realitäten.
  • Stufe 3, wenn die Zahlen tragen: Erst wenn dein Business über Monate zuverlässig liefert, reduzierst du weiter oder gehst ganz. Die Entscheidung trifft sich dann fast von selbst, auf Basis von Daten, nicht von Mut allein.

Fünf Fragen, die mehr Klarheit bringen als jede Pro-Contra-Liste

Nimm dir dafür einen ruhigen Abend und ein Blatt Papier, und antworte schriftlich, das macht einen Unterschied:

  • 1. Wie fühlt sich der Gedanke an deinen ersten Arbeitstag an? Nicht der Gedanke ans Gehalt, der an den Tag selbst. Vorfreude, Neutralität oder ein Ziehen im Bauch? Dein Körper antwortet ehrlicher als dein Kopf.
  • 2. Was würdest du wählen, wenn beides gleich viel zahlte? Diese Frage trennt die Geldsorge von der eigentlichen Sehnsucht, und zeigt dir, wofür sich das Rechnen überhaupt lohnt.
  • 3. Wie lange trägt euch ein halbes Einkommen? Setz dich mit deinem Partner an die Haushaltsrechnung: Was muss monatlich reinkommen, was ist Polster? Aus dieser Zahl wird dein Ziel-Einkommen, und aus dem Ziel-Einkommen mit richtiger Preiskalkulation eine konkrete Zahl an Shootings pro Monat. Plötzlich ist „davon leben“ keine Glaubensfrage mehr, sondern Mathematik.
  • 4. Steht dein Umfeld hinter dir? Ein Business neben Kind funktioniert nicht gegen den Partner, sondern nur mit ihm, inklusive der Stunden, in denen er die Kinder hat, während du ein Shooting fährst.
  • 5. Was ist das echte Worst-Case-Szenario? Schreib es aus: Das Business trägt nach zwei Jahren nicht, und dann? Meist lautet die Antwort: zurück in den Beruf, mit neuen Fähigkeiten und der Gewissheit, es versucht zu haben. Das ist kein Ruin. Das ist ein Plan B, mit dem sich leben lässt.

Teste die Entscheidung, statt sie zu raten

Und dann hör auf zu grübeln, und fang an zu messen. Gib dir drei Monate strukturierten Probelauf neben dem Familienalltag: Portfolio aufbauen, erste Übungsfamilien fotografieren, ein, zwei bezahlte Shootings. Mit zehn Stunden pro Woche ist das machbar; wie du überhaupt neben dem Kind zum Üben kommst, haben wir dir aufgeschrieben.

Nach diesen drei Monaten hast du echte Daten: Macht dir die Arbeit auch dann Freude, wenn sie Arbeit ist? Kommen Anfragen? Trägt dich der Gedanke, oder erleichtert dich die Aussicht auf den Job? Jede dieser Antworten ist ein Gewinn. Auch die Rückkehr in den Job ist dann kein Zurückrutschen mehr, sondern eine getroffene Entscheidung, das fühlt sich fundamental anders an.

Was immer du wählst: Wähle es bewusst

Manche Leserin wird nach diesem Artikel erleichtert feststellen, dass sie ihren Job eigentlich mag, wunderbar, Frage geklärt, Energie frei. Und wenn du beim Lesen gemerkt hast, dass dein Herz längst eine Richtung kennt: Dann nimm den Test ernst. Die Elternzeit ist dafür der beste Zeitpunkt, den es gibt, und du musst den Weg nicht allein herausfinden. Im Businesskurs begleiten wir dich durch genau diese Aufbauphase: fünf Monate, Schritt für Schritt, mit Live-Call jeden Sonntag um 10 Uhr. Nächster Start: 28. Februar 2027, 30 Plätze.

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