

Es ist meist nachts, beim Stillen oder wenn die Wohnung endlich still ist, dass die Frage auftaucht: In ein paar Monaten endet die Elternzeit, und will ich da eigentlich wirklich zurück? Zurück an den Schreibtisch, in die Meetings, in das Leben von vorher, das sich plötzlich anfühlt wie die Jacke von jemand anderem?
Falls du diese Frage kennst: Sie ist kein Zeichen von Undankbarkeit und kein Hirngespinst. Sie ist eine echte Weggabelung, und sie verdient eine bessere Antwort als Instagram-Sprüche („Kündige und folge deinem Traum!“) oder Schulterzucken („Sei froh, dass du einen sicheren Job hast“). Hier kommt der ehrliche Vergleich, und ein Weg, die Entscheidung nicht raten zu müssen, sondern zu testen.
Die Elternzeit ist eine der wenigen echten Zäsuren im Erwachsenenleben: Zum ersten Mal seit Jahren stehst du neben deinem Berufsalltag statt mittendrin, und siehst ihn von außen. Gleichzeitig tickt eine Uhr: Dein Rückkehrrecht ist ein Sicherheitsnetz mit Ablaufdatum. Genau diese Kombination macht die Frage so drängend, und genau deshalb lohnt es sich, sie jetzt bewusst zu beantworten, statt einfach in den alten Trott zurückzurutschen und in fünf Jahren wieder aufzutauchen.
Fangen wir mit dem an, was in Gründerinnen-Blogs gern unterschlagen wird: Ein Angestelltenjob hat echte, schwer ersetzbare Qualitäten. Das Gehalt kommt pünktlich, egal ob du krank bist oder das Kind vier Wochen Kita-Eingewöhnung braucht. Krankenversicherung, Rente, bezahlter Urlaub, alles automatisch. Kolleginnen, Struktur, Feierabend, der diesen Namen verdient. Und nicht zuletzt: Wenn du deinen Beruf magst, ist Zurückgehen kein Scheitern, sondern eine gute Entscheidung.
Aber es gibt auch die andere Seite der Abrechnung, und die kennst du vermutlich, sonst würdest du das hier nicht lesen: die Fremdbestimmung über deinen Kalender. Die Vereinbarkeits-Realität, in der jeder Kita-Infekt zur Verhandlungssache wird. Das Pendeln. Und für viele Mamas die Teilzeitfalle: weniger Stunden, aber gefühlt dieselbe Arbeit, bei kleinerem Gehalt und angehaltener Karriere.
Die Habenseite: Du bestimmst, wann du arbeitest. Shootings am Vormittag, Bildbearbeitung nach dem Zubettbringen. Du arbeitest an etwas Eigenem, das wächst und dir gehört. Kein Anfahrtsweg, keine Anwesenheitspflicht, kein Chef. Und ein Einkommen, das nicht bei X Stunden gedeckelt ist, sondern mit deinem Können wächst, was realistisch drin ist, haben wir hier ehrlich vorgerechnet.
Die Sollseite, genauso ehrlich: Am Anfang ist das Einkommen unsicher und klein, der Aufbau ist unbezahlte Arbeit auf Vorschuss. Du brauchst Selbstdisziplin ohne Chef und musst Dinge lernen, die mit Fotografie nichts zu tun haben: Preise, Steuern, Sichtbarkeit. Krankenversicherung und Rente organisierst du selbst. Und es gibt Wochen, in denen du an dir zweifelst, die gehören dazu, bei allen.
Die meisten Frauen bleiben bei dieser Frage stecken, weil sie sie als Alles-oder-nichts-Entscheidung rahmen: sofort kündigen ODER für immer bleiben. Beides ist falsch. Der kluge Weg ist fast immer der dritte: der gestaffelte Übergang.
Nimm dir dafür einen ruhigen Abend und ein Blatt Papier, und antworte schriftlich, das macht einen Unterschied:
Und dann hör auf zu grübeln, und fang an zu messen. Gib dir drei Monate strukturierten Probelauf neben dem Familienalltag: Portfolio aufbauen, erste Übungsfamilien fotografieren, ein, zwei bezahlte Shootings. Mit zehn Stunden pro Woche ist das machbar; wie du überhaupt neben dem Kind zum Üben kommst, haben wir dir aufgeschrieben.
Nach diesen drei Monaten hast du echte Daten: Macht dir die Arbeit auch dann Freude, wenn sie Arbeit ist? Kommen Anfragen? Trägt dich der Gedanke, oder erleichtert dich die Aussicht auf den Job? Jede dieser Antworten ist ein Gewinn. Auch die Rückkehr in den Job ist dann kein Zurückrutschen mehr, sondern eine getroffene Entscheidung, das fühlt sich fundamental anders an.
Manche Leserin wird nach diesem Artikel erleichtert feststellen, dass sie ihren Job eigentlich mag, wunderbar, Frage geklärt, Energie frei. Und wenn du beim Lesen gemerkt hast, dass dein Herz längst eine Richtung kennt: Dann nimm den Test ernst. Die Elternzeit ist dafür der beste Zeitpunkt, den es gibt, und du musst den Weg nicht allein herausfinden. Im Businesskurs begleiten wir dich durch genau diese Aufbauphase: fünf Monate, Schritt für Schritt, mit Live-Call jeden Sonntag um 10 Uhr. Nächster Start: 28. Februar 2027, 30 Plätze.
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