

Es gibt eine Zahl, die dir niemand beibringt und die trotzdem über dein Fotografie-Business entscheidet: dein Preis. Die meisten Anfängerinnen würfeln ihn, irgendwo zwischen „was die anderen nehmen“ und „was ich mich zu sagen traue“. Meistens kommt dabei eine Zahl heraus, die zu niedrig ist. Deutlich zu niedrig.
In diesem Artikel rechnen wir einmal ehrlich durch, was ein Shooting dich kostet, warum die beliebten 50-€-Angebote unterm Mindestlohn liegen, und wie du in zwanzig Minuten einen Preis kalkulierst, den du begründen und aussprechen kannst.
Der Grund ist ein Wahrnehmungsfehler: Von außen, und am Anfang auch von innen, sieht ein Shooting aus wie eine Stunde Arbeit. Eine Stunde im Park, lächelnde Familie, Kamera klickt. Was dabei unsichtbar bleibt, ist der ganze Eisberg unter der Wasserlinie.
Zu jedem Shooting gehören: die Nachrichten davor, die Terminfindung, die Anfahrt, das Shooting selbst, das Sichten von mehreren hundert Bildern, die Bearbeitung der besten, das Hochladen und Übergeben der Galerie, und die Kommunikation danach. Aus einer Stunde im Park werden so vier bis sechs Stunden Arbeit. Jede Preiskalkulation, die das ignoriert, ist keine Kalkulation. Sie ist ein Missverständnis.
Rechnen wir das beliebte 50-€-Shooting einmal komplett durch. Eine Stunde fotografieren. Eine halbe Stunde Fahrt hin und zurück. Eine halbe Stunde Kommunikation über alle Kanäle verteilt. Zweieinhalb Stunden sichten und bearbeiten, als Anfängerin eher mehr. Macht viereinhalb Stunden für 50 €: gut 11 € pro Stunde.
Davon gehen ab: Abschreibung auf Kamera und Objektiv, Software-Abo für die Bearbeitung, Fahrtkosten, später Versicherung und Steuern. Übrig bleiben, je nach Rechnung, sechs bis acht Euro pro Stunde. Der gesetzliche Mindestlohn liegt drüber. Du bezahlst mit jedem dieser Shootings drauf: mit deiner Elternzeit, deiner Energie und deinen Abenden.
Und der bittere Bonus, den Linda und viele unserer Teilnehmerinnen bestätigen: Die anspruchsvollsten Kundinnen sind selten die, die fair zahlen. Wer 50 € zahlt, erwartet oft 500-€-Leistung, alle Bilder, sofort, und noch drei Änderungswünsche. Ein fairer Preis filtert nicht nur dein Einkommen, er filtert auch deine Aufträge.
Du brauchst keine Excel-Orgie. Drei Zahlen und eine Multiplikation reichen für den Start:
So landest du als Anfängerin fast automatisch zwischen 150 und 250 € pro Familien-Shooting, und das ist auch genau der Bereich, in dem sich erfahrene Kolleginnen am Markt nach oben abgrenzen können, ohne dass du unverkäuflich wirst. Als Kleinunternehmerin kommt keine Umsatzsteuer obendrauf; falls dir dieser Begriff neu ist, lies vorher unseren Artikel zum Gewerbe anmelden in der Elternzeit.
Wichtig fürs Selbstverständnis: Dieser Preis ist kein Anfängerinnen-Rabatt auf ein Profi-Honorar. Es ist die unterste Kante dessen, was betriebswirtschaftlich überhaupt tragbar ist. Alles darunter ist Hobby mit Publikum.
Die Ausnahme kennst du schon, wenn du unseren Artikel über die erste zahlende Kundin gelesen hast: Übungs-Shootings im engsten Kreis, klar als solche benannt, mit Portfolio-Nutzung als Gegenwert. Sie haben einen Zweck, ein Zeitfenster und ein Ende.
Alles andere: „Für die Reichweite“, „Dafür empfehlen wir dich weiter“, „Beim nächsten Mal zahlen wir dann“, ist keine Bezahlung, sondern eine Vertröstung. Reichweite kauft keine Windeln. Und wer einmal kostenlos geliefert hat, wird selten zur zahlenden Kundin: Der Preis von null hat sich festgesetzt.
Dein Einstiegspreis ist ein Startpunkt, kein Dauerzustand. Das Signal für die erste Erhöhung liefert dir dein Kalender: Wenn du über Wochen gut gebucht bist und Anfragen ablehnen musst, ist dein Preis zu niedrig. Erhöhe in Schritten von 20 bis 30 €, neue Kundinnen bekommen den neuen Preis, bestehende beim nächsten Shooting mit kurzer Ankündigung.
Ein realistischer Verlauf, den wir oft sehen: Start bei 170 €, nach einem halben Jahr 200 €, nach einem Jahr 250 € und mehr. Was am Ende möglich ist, hängt von Region und Positionierung ab, einen ehrlichen Blick auf die Zahlen dahinter werfen wir im Artikel über den Verdienst als Familienfotografin.
Für den Start empfehlen wir dir genau ein Paket, kein Baukasten mit drei Varianten, keine Preisliste mit Sternchen. Ein Paket, ein Preis, klar beschrieben: eine Stunde Shooting, komplette Sichtung, 25 bearbeitete Bilder in der Online-Galerie, Lieferung innerhalb von zwei Wochen.
Ein einzelnes Paket hat gleich mehrere Vorteile: Du kannst es auswendig, deine Kundin versteht es in einem Satz, und es gibt keine Verhandlungsfläche. Wer mehr Bilder will, kauft sie einzeln nach, fünf bis acht Euro pro zusätzlichem Bild sind ein üblicher Rahmen und ein angenehm unaufdringlicher Zusatzverdienst, weil die Nachfrage von selbst kommt, wenn die Galerie begeistert.
Stundensätze dagegen gehören in die Business-Fotografie, in Reportagen und Events. Für Familien fühlen sie sich nach Taxameter an, und du willst keine Kundin, die während des Shootings auf die Uhr schaut.
Weniger, als oft behauptet wird. Ja, in München und Hamburg werden höhere Preise gezahlt als im ländlichen Raum, aber die Unterschiede betreffen vor allem das obere Ende. Die kalkulierte Untergrenze aus diesem Artikel gilt überall, denn deine Stunden und Kosten sind auf dem Land dieselben wie in der Stadt.
Was regional tatsächlich variiert, ist das Tempo der Erhöhungen. In der Stadt trägt dich die Nachfrage schneller nach oben; auf dem Land dauert es länger, dafür ist die Konkurrenz dünner und Empfehlungen wirken stärker. Linda arbeitet nicht in einer Metropole, und hat ihre Preise trotzdem Jahr für Jahr angehoben.
Du wirst feststellen: Je klarer deine Kalkulation, desto gelassener dein Ton in diesen Momenten. Einwände bringen nur die aus dem Konzept, die insgeheim selbst nicht an ihre Zahl glauben.
Kalkulieren ist das eine. Den Preis aussprechen, ohne hinterher drei Sätze Rechtfertigung anzuhängen, das andere. Was hilft: eine feste Formulierung, die du nicht jedes Mal neu erfinden musst.
„Ein Familien-Shooting kostet bei mir 179 €. Da sind etwa eine Stunde Shooting, die komplette Bildauswahl und 25 bearbeitete Bilder in einer Online-Galerie drin.“
Punkt. Kein „Ich weiß, das ist viel“, kein „Ich bin ja noch am Anfang“. Wenn jemand „zu teuer“ sagt, ist das keine Verhandlungsaufforderung, es heißt nur, dass diese Person gerade keine 179 € für Fotos ausgeben will. Das ist in Ordnung. Deine Kundin ist die, für die bleibende Familienbilder diesen Wert haben.
Sobald dein Paket steht, rüste zwei Dinge nach. Erstens eine Anzahlung von 30 bis 50 € bei der Buchung: Sie macht aus einem „Ja, gerne mal“ einen echten Termin, kurzfristige Absagen bei schönem Wetter sinken damit auf fast null. Formulier es als Reservierungsgebühr, die beim Shooting verrechnet wird; das versteht und akzeptiert jede.
Zweitens Gutscheine: Familienfotos sind ein beliebtes Geschenk, zur Geburt, zu Weihnachten, zum Muttertag. Ein schön gestalteter Gutschein über dein Paket verkauft sich in der Vorweihnachtszeit von selbst und füllt dir den Kalender fürs Frühjahr. Nebeneffekt: Gutschein-Kundinnen sind neue Familien, die dich sonst nie gebucht hätten, geschenkte Neukundinnen-Akquise.
Preise sind am Ende beides: eine Rechenaufgabe und eine Haltungsfrage. Die Rechenaufgabe hast du mit diesem Artikel gelöst. An der Haltung arbeiten wir im Businesskurs gemeinsam, mit einer Preisstrategie, die zu deiner Region passt, und einer Gruppe, die dich daran erinnert, was deine Arbeit wert ist. Fünf Monate, Start am 28. Februar 2027.
Kostenlos, jederzeit abmeldbar. Alle Module im Detail: zur Businesskurs-Seite.
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Fotografin ist kein geschützter Beruf: Der Gewerbeschein reicht. Was Kundinnen wirklich prüfen, und wo die ehrlichen Grenzen liegen.
Der nächste Schritt
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