Elternzeit & Mindset

Fotografin werden in der Elternzeit: der ehrliche Einstieg

Linda sitzt mit ihrer Kamera am Strand

Vielleicht kennst du das Gefühl. Du sitzt mit deinem Kind auf dem Arm, das Bürojob-Kapitel fühlt sich abgeschlossen an, und trotzdem ist da diese Frage: Was jetzt? Zurück in den alten Job, so als wäre nichts gewesen? Oder etwas Eigenes anfangen, das zu deinem Leben passt?

Fotografie ist einer der Wege, den viele Mamas in ihrer Elternzeit für sich entdecken. Aber im Netz kursieren so viele „Werde-selbstständig-Anleitungen“, die entweder das Bild einer Traumkarriere in vier Wochen verkaufen, oder dich mit endlosen Listen erschlagen.

Dieser Artikel ist anders. Wir erzählen dir, wie Linda es gemacht hat. Sie ist gelernte Buchhalterin, eine Foto-Ausbildung hat sie bis heute nicht. In ihrer Elternzeit 2020 hat sie zur Kamera gegriffen, heute, fünf Jahre später, hat sie über 500 Familien-Shootings hinter sich. Was dazwischen passiert ist, und was daran funktioniert hat, erzählen wir dir hier ohne Marketing-Verpackung.

Warum die Elternzeit ein guter Startpunkt ist

Elternzeit klingt für viele nach Pause vom Berufsleben. In der Realität ist sie oft das Gegenteil: der erste Moment seit Jahren, in dem du einen Schritt zurücktreten und fragen kannst, ob das, was du vorher gemacht hast, überhaupt noch passt.

Was die Elternzeit zu einem besonders guten Startpunkt macht, ist die Kombination aus Zeit und finanzieller Sicherheit. Dein Elterngeld läuft weiter, bei den meisten mindestens 12 Monate, oft 24. Du musst nichts sofort funktionieren lassen. Du kannst ausprobieren und dazulernen, ohne dass am Monatsende die Miete offen bleibt.

Dazu kommt ein Perspektivwechsel, den man sonst kaum bekommt. Der alte Bürostuhl ist weg. Der Wochenkalender ist neu. Dein Gehirn hat die seltene Chance, sich neu zu sortieren, ohne dass alte Gewohnheiten dazwischenfunken.

Und der Punkt, der viele überrascht: Du musst nicht sofort kündigen. Elternzeit heißt, dein alter Vertrag läuft im Hintergrund weiter. Du kannst dich in Ruhe ausprobieren und erst dann kündigen, wenn du selbst weißt, dass die Selbstständigkeit trägt. Oder eben feststellst, dass es doch nicht dein Weg ist, und einfach zurückgehst.

Für Linda war die Elternzeit deshalb kein Wartezimmer. Sie war der Raum, in dem etwas Eigenes wachsen konnte, ohne dass gleich alles davon abhing.

Was du am Anfang brauchst, und was nicht

Bevor du dich fragst, welche Kamera du kaufst und welche Website-Vorlage du nimmst, hier die Kurzfassung: viel weniger, als überall gepredigt wird.

Die Kamera-Frage

Die häufigste Frage, die uns Mamas stellen: „Welche Kamera brauche ich?“ Und die häufigste Antwort im Internet: eine, die 2.000 € kostet.

Linda hat mit einer gebrauchten Kamera für 400 € angefangen. Eine Canon EOS M6 Mark 2 von eBay. Kleines Format, sofort einsatzbereit. Diese Kamera hat sie durch die ersten zwei Jahre ihres Business getragen.

Was du für den Start brauchst, ist eine Kamera mit Wechselobjektiv, gebraucht, im Bereich zwischen 400 € und 800 €. Neu bekommst du in dieser Klasse für das Geld nichts Brauchbares, gebraucht dagegen eine Menge: Bei einer Kamera zählt der Zustand von Sensor und Verschluss mehr als das Alter. Aktuelle Einsteiger-Modelle sind zum Beispiel die Canon EOS R50, die Sony Alpha 6400, die Fujifilm X-T30 II oder die Nikon Z50 II. Eine aktuelle Empfehlung mit vier Modellen und Gebrauchtkauf-Checkliste findest du in unserem Artikel Welche Kamera für Anfängerinnen?

Die Kamera, mit der du sofort loslegen kannst, ist wichtiger als die teuerste. Eine 400-€-Kamera im Einsatz bringt dir mehr als eine 2.000-€-Kamera in der Schublade.

Fachwissen, kannst du dir holen

Fotografie ist ein Handwerk, und Handwerke kann man lernen. Der Unterschied liegt nur darin, wie strukturiert der Weg dorthin ist.

Linda hat sich zu Beginn vieles per YouTube beigebracht. Das funktioniert, aber es dauert lang und man verzettelt sich zwischen widersprüchlichen Tutorials. Rückblickend hätte sie sich einen strukturierten Weg gewünscht, jemanden, der zeigt, was in welcher Reihenfolge wichtig ist und was man am Anfang weglassen darf.

Was du mitbringen musst, ist Interesse an Bildern und Menschen und die Bereitschaft, dich auszuprobieren. Was du nicht mitbringen musst: einen kunstakademischen Hintergrund oder das viel zitierte „Auge fürs Motiv“ von Geburt an. Das entwickelt sich, während du fotografierst.

Was du am Anfang weglassen kannst

Der teuerste Fehler am Anfang: Sachen kaufen, die du glaubst zu brauchen, weil andere sie haben.

Ein Studio brauchst du nicht. Familien-Shootings finden ohnehin draußen oder in der Wohnung deiner Kundin statt, das ist auch besser für den natürlichen Look, den du bei Mamas verkaufen willst.

Eine perfekte Website mit 20 Unterseiten brauchst du auch nicht. Eine einfache Ein-Seiten-Website mit deinem Portfolio und einem Kontaktformular reicht für die ersten Monate. Die baust du mit einem Baukasten wie WordPress oder Squarespace an einem Nachmittag.

Teure Blitzköpfe oder gemietete Fotostudios auf Zeit, alles später. Für die ersten sechs Monate reicht dir Tageslicht. Und wenn Linda mal drinnen fotografiert, arbeitet sie oft nur mit einem Fenster als Lichtquelle.

Wie lange dauert der Weg zum ersten zahlenden Shooting?

Kein Zeitplan ist bei allen gleich. Manche haben in 8 Wochen die erste Anfrage, andere brauchen 8 Monate. Das hängt davon ab, wie viel Zeit du pro Woche einsetzen kannst und wie schnell du dich mit der Kamera zurechtfindest.

Wenn wir Lindas Verlauf als Orientierung nehmen und ihn mit dem vergleichen, was wir bei unseren Wartelisten-Teilnehmerinnen sehen, kannst du grob mit folgendem Ablauf rechnen:

In den ersten 4 Wochen geht es um die Kamera. Du lernst die drei Grundeinstellungen: Blende, Belichtungszeit, ISO. Ohne die geht später nichts. Du übst mit dem, was du hast, deinem eigenen Kind, deinem Partner am Sonntagnachmittag. Die Bilder sind noch nicht gut, aber du bekommst ein Gefühl für die Technik.

Nach 8 bis 12 Wochen fühlt sich die Kamera nicht mehr fremd an. Du kannst Situationen einschätzen und Einstellungen anpassen, ohne im Menü zu suchen. Deine Bilder werden konstant besser. Du zeigst die ersten davon deinem Umfeld, und bekommst Reaktionen wie „Kannst du das auch für uns machen?“

Zwischen Monat 3 und 6 kommt die entscheidende Schwelle: dein erstes Shooting gegen Bezahlung. Meistens für Freundinnen oder Bekannte, für einen niedrigen Preis. Das erste Geld auf dem Konto ist psychologisch riesig, auch wenn es nur 80 € sind. Es macht aus einem Hobby ein Business.

Ab Monat 6 hast du im Normalfall ein erstes Portfolio und eine kleine Website. Von hier aus kannst du langsam höhere Preise ansetzen und regelmäßige Anfragen aufbauen.

Die häufigsten Fehler am Anfang

Wir bekommen viele Nachrichten von Mamas, die schon ein paar Monate versucht haben, in die Fotografie einzusteigen, und dann stecken geblieben sind. In fast allen Fällen sehen wir dieselben Muster. Hier die vier Fehler, die am häufigsten passieren.

Fehler 1: Zu viel Ausrüstung vor der Basis kaufen. Eine bessere Kamera macht dich nicht zur besseren Fotografin. Wer sich mit 2.000 € einkauft und danach frustriert ist, weil die Bilder trotzdem nicht wie bei Instagram-Fotografinnen aussehen, hat den falschen Hebel gezogen. Erst die Grundlagen lernen, dann bei Bedarf gezielt aufrüsten.

Fehler 2: Zu lange mit dem ersten Übungs-Shooting warten. Viele Anfängerinnen üben monatelang alleine mit Blumen oder ihrem Kind, und schrecken davor zurück, „richtige Menschen“ zu fotografieren, weil sie sich noch nicht bereit fühlen. Genau dort verlierst du am meisten Zeit. Ein Übungs-Shooting mit einer Freundin bringt dir mehr als 50 Solo-Übungssessions im Wohnzimmer.

Fehler 3: Preise viel zu niedrig ansetzen. „Ich bin ja noch Anfängerin“ ist der Satz, den wir am häufigsten hören. Und der teuerste. Wer dauerhaft für 50 € shootet, arbeitet unter dem Mindestlohn, wenn man Bearbeitung und Kundenkommunikation mitzählt. Und Kundinnen, die nur 50 € zahlen, sind selten die einfachsten. Wie eine ehrliche Kalkulation geht, zeigt unser Artikel über Preise als Anfänger-Fotografin, ab Beginn realistisch kalkulieren, auch als Anfängerin.

Fehler 4: Alles auf einmal wollen. Kamera lernen und Website bauen und Instagram-Content produzieren und Steuernummer beantragen und Preise kalkulieren, parallel. Das führt zu Überforderung und zu einem halbfertigen Zustand in jeder Ecke. Besser: eine Baustelle nach der anderen. Erst wenn die Kamera-Basis sitzt, kommen Übungs-Shootings. Erst wenn die ersten Bilder gut werden, kommt die Preisfrage. Erst dann Website und Steuer. Kein anderer Weg funktioniert langfristig.

Wie du realistisch beginnst, auch mit Kind daheim

Die Frage, die alle Mamas gleich am Anfang stellen: „Wann soll ich das denn machen, mit Kind?“ Fair. Elternzeit hat wenig mit Freizeit zu tun. Trotzdem: die Antwort ist immer dieselbe. Nicht viel auf einmal, aber regelmäßig.

Zwei Stunden pro Woche reichen, um sichtbaren Fortschritt zu machen. Wichtig ist, dass es feste Zeitfenster sind. Wenn dein Kind seinen Mittagsschlaf hat oder abends im Bett ist, sitzt du 30 Minuten am Laptop, ein Video schauen oder ein Bild bearbeiten. Am Wochenende ein zweistündiges Übungs-Shooting mit deinem Kind oder deiner Familie. Wie so eine Woche konkret aussieht, zeigt unser 2-Stunden-Wochenplan.

Übrigens: dein eigenes Kind ist dein bestes Übungsmodell. Es ist immer da und geduldig, wenn du geduldig bist. Und es macht ehrliche Reaktionen, die du bei fremden Kindern erst mühsam entlocken müsstest. Die ersten 100 Bilder deines Kindes im richtigen Licht sind mehr wert als jedes YouTube-Tutorial.

Wenn die Kamera-Basis sitzt, das ist meist nach 8 bis 12 Wochen, kommt die zweite Stufe: Übungs-Shootings mit deinem erweiterten Umfeld. Freundinnen und Verwandte. Kostenfrei oder gegen ein „Danke“. Sie bekommen die Bilder, du bekommst Übungsstunden. Dein Portfolio wächst nebenbei.

Ab Stufe drei, deinem ersten zahlenden Shooting, hast du die Schwelle überschritten. Es fühlt sich anfangs unwirklich an, dass jemand für deine Arbeit Geld überweist. Danach beginnt der Weg als angehende selbstständige Fotografin.

Übrigens: Dieser Weg funktioniert nicht nur in der Elternzeit. Wie der Start als Mama insgesamt gelingt, mit Fahrplan und ehrlichen Zahlen, liest du in Fotografin werden als Mama. Und wenn du aus einem ganz anderen Beruf kommst, zeigt dir der Quereinstiegs-Ratgeber, warum genau das dein Vorteil ist.

Wenn du diesen Weg gehen willst

Wenn du hier bis zum Ende gelesen hast, dann steht die Frage längst nicht mehr, ob Fotografie etwas für dich sein könnte. Sie ist nur noch: wie du am besten anfängst, und mit welcher Struktur.

Genau dafür haben wir unseren Businesskurs entwickelt. Fünf Monate mit Live-Begleitung. Alle Module aufeinander abgestimmt, vom ersten Kamera-Setup bis zu deinen ersten Kundinnen. Kein YouTube-Chaos. Ein klarer Ablauf mit Feedback von Linda und Klaus.

Der nächste Kurs startet am 28. Februar 2027. Die Plätze sind begrenzt, deshalb läuft die Anmeldung zuerst über die Warteliste.

Kostenlos, jederzeit abmeldbar. 30 Sekunden zum Eintragen.

Wenn du erst mal wissen willst, was im Kurs im Detail steckt, findest du hier alle Module: Zum Businesskurs.

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Der nächste Schritt

Aus Elternzeit wird deine Zeit.

Du willst nicht nur lesen, sondern anfangen? Im 5-Monats-Businesskurs begleiten wir dich von den ersten Kamera-Einstellungen bis zu deinen ersten zahlenden Kundinnen. Start: 28. Februar 2027, die Anmeldung läuft über die kostenlose Warteliste.

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