Kundinnen gewinnen

Portfolio aufbauen ohne einen einzigen Kunden: die TFP-Methode

Babybauch-Shooting am Bergsee

Es ist das klassische Henne-Ei-Problem am Anfang jeder Fotografie-Laufbahn: Familien buchen dich, wenn sie überzeugende Bilder von dir sehen. Aber woher sollen überzeugende Bilder kommen, wenn dich noch niemand gebucht hat?

Die Antwort ist so alt wie die Fotografie selbst und hat sogar einen Namen: TFP. In diesem Artikel erfährst du, wie diese Methode funktioniert, wie du in wenigen Wochen ein Portfolio aufbaust, ohne eine einzige zahlende Kundin zu haben, und wie du dabei die Bildrechte sauber regelst, damit du deine Bilder später auch wirklich zeigen darfst.

Was TFP bedeutet, und warum es kein „umsonst arbeiten“ ist

TFP steht für „Time for Prints“: Zeit gegen Bilder. Der Deal: Die Familie schenkt dir ihre Zeit als Modelle, du schenkst ihnen die fertigen Bilder. Es fließt kein Geld, in keine Richtung. Beide Seiten bekommen etwas, das sie sonst bezahlen müssten: die Familie ein Shooting, du Übung und vorzeigbare Ergebnisse.

Wichtig ist die Haltung dahinter: TFP ist kein verschenkter Auftrag, sondern ein Trainingslager mit klarem Ziel. Du machst eine begrenzte Anzahl dieser Shootings, dazu gleich mehr: , und beide Seiten wissen von Anfang an, dass es ein Tausch ist. Genau das unterscheidet die TFP-Phase von der Gratis-Falle, in der Anfängerinnen jahrelang „für die Erfahrung“ fotografieren und nie den Absprung schaffen. Warum der Absprung so wichtig ist und wie du danach fair kalkulierst, liest du im Preis-Guide.

So findest du deine ersten TFP-Familien

Die gute Nachricht: Ein kostenloses Familienshooting ist ein attraktives Angebot, du wirst schneller Zusagen bekommen, als du denkst. Suche in dieser Reihenfolge:

  • Dein eigener Kreis: Freundinnen mit Kindern, die Nachbarsfamilie, die Krabbelgruppe. Vorteil: entspannte Atmosphäre fürs Üben. Nachteil: Freundinnen verzeihen alles, ehrliches Feedback bekommst du eher von Fremden.
  • Lokale Mama-Gruppen: Facebook-Gruppen, WhatsApp-Kreise, Nachbarschafts-Apps. Ein ehrlicher Beitrag mit zwei, drei deiner besten Übungsbilder wirkt hier Wunder.
  • Gezielte Wunsch-Motive: Dir fehlen Newborn-Bilder im Portfolio? Frag gezielt in Schwangerschafts-Gruppen. So baust du dir das Portfolio zusammen, das deine Wunschkundinnen später sehen sollen.

Eine Vorlage zum Anpassen: „Ich baue mir gerade als Familienfotografin ein Portfolio auf und suche dafür drei Familien für ein kostenloses Shooting. Ihr bekommt 20 bearbeitete Bilder geschenkt, ich darf eine Auswahl davon für meine Website und Social Media nutzen. Wer hat Lust?“ Kurz, ehrlich, mit klarem Deal. Genau so fängt übrigens auch die Empfehlungskette an, über die später deine ersten zahlenden Kundinnen kommen.

Wie viele TFP-Shootings brauchst du? Weniger, als du denkst

Drei bis fünf. Das reicht für ein Startportfolio, mit dem du dich zeigen kannst, mehr braucht es nicht, und mehr solltest du auch nicht machen. Denn jedes weitere Gratis-Shooting hat einen doppelten Preis: Es kostet dich Zeit, die du nicht bezahlt bekommst, und es baut dir in deinem Umfeld ein Gratis-Image auf, das du später mühsam wieder abtragen musst.

Deshalb gehört zu jeder TFP-Phase eine Exit-Strategie, und die darfst du laut aussprechen: „Ich mache drei Portfolio-Shootings kostenlos, danach starte ich mit meinem Einführungspreis.“ Das schafft übrigens auch angenehmen Zugzwang bei Interessentinnen, wer den Gratis-Platz verpasst hat, bucht dann eben den Einführungspreis.

Der TFP-Deal im Detail: Das bekommen beide Seiten

Damit aus dem schönen Tausch kein Missverständnis wird, klärst du vorher drei Dinge, mündlich UND schriftlich (eine WhatsApp-Zusammenfassung zählt auch):

  • Was die Familie bekommt: eine konkrete Zahl bearbeiteter Bilder (z. B. 20), in einer Online-Galerie, in voller Auflösung. Nicht: „alle Bilder“. Und nicht die unbearbeiteten RAW-Dateien, die gibst du nie heraus, das ist unter Fotografinnen eine eiserne Regel.
  • Was du bekommst: das Recht, eine Auswahl der Bilder für dein Portfolio zu nutzen: Website, Google-Profil, Instagram. Genau dafür machst du das Ganze schließlich.

Und der dritte Punkt ist so wichtig, dass er ein eigenes Kapitel verdient:

Bildrechte: der Mini-Guide für TFP-Shootings

Vorweg zur Einordnung: Wir sind Fotografen, keine Anwälte, das hier ist Praxiswissen, keine Rechtsberatung. Aber diese Grundregeln solltest du kennen:

  • Du brauchst eine Einwilligung, um Menschen zu zeigen. Das Urheberrecht an den Bildern liegt bei dir, aber veröffentlichen darfst du erkennbare Personen nur mit deren Erlaubnis. Mündlich ist theoretisch gültig, schriftlich ist im Zweifel beweisbar. Also: immer schriftlich.
  • Bei Kindern unterschreiben die Sorgeberechtigten, und zwar idealerweise beide. Gerade bei getrennten Eltern ersparst du dir damit späteren Ärger.
  • Benenn die Nutzung konkret: „Website, Google-Unternehmensprofil, Instagram-Account @deinname“ ist besser als „Werbezwecke aller Art“. Je klarer, desto wohler fühlen sich alle, und desto eher bekommst du das Ja.
  • Respektiere ein späteres Nein: Eine Einwilligung für die Zukunft kann widerrufen werden. Wenn eine Familie in zwei Jahren möchte, dass ein Bild offline geht, nimm es offline, unabhängig von der Rechtslage ist das einfach anständig.

Praktisch reicht ein einseitiges Formular: Namen, Datum, was die Familie bekommt, welche Bilder du wofür nutzen darfst, Unterschriften. Fünf Minuten vor dem Shooting ausgefüllt, für immer Ruhe im Kopf.

Nach dem Shooting: So wird aus Übung ein Portfolio

Behandle jedes TFP-Shooting exakt wie einen bezahlten Auftrag: Vorgespräch, pünktlich liefern, schöne Galerie, der komplette Ablauf steht im Familienshooting-Fahrplan. Das ist Teil des Trainings: Du übst nicht nur Fotografie, sondern den ganzen Prozess.

Fürs Portfolio selbst gilt dann: kuratieren, nicht sammeln. 15 bis 20 deiner stärksten Bilder in einem einheitlichen Stil schlagen 60 gemischte. Zeig die Bilder dort, wo deine künftigen Kundinnen suchen: auf deiner Website, in deinem Instagram-Schaufenster, und vor allem in deinem Google-Unternehmensprofil, denn bei Google suchen Familien wirklich nach einer Fotografin.

Und noch ein Nebeneffekt, den fast jede unterschätzt: Deine TFP-Familien sind deine ersten Fans. Sie zeigen die Bilder herum, sie erzählen von dir, sie buchen dich später bezahlt wieder: Linda hatte aus ihren ersten Übungsfamilien noch Jahre später Folgeaufträge und Empfehlungen.

In sechs Wochen zum Startportfolio: dein Plan

  • Woche 1: Angebot formulieren, in zwei Gruppen posten, drei Familien fixieren.
  • Wochen 2–5: ein Shooting pro Woche, dazwischen bearbeiten und liefern, mit Puffer fürs Familienleben.
  • Woche 6: die 15–20 besten Bilder auswählen, online stellen, und den Einführungspreis veröffentlichen. TFP-Phase beendet.

Genau diesen Weg, vom leeren Portfolio zur ersten zahlenden Kundin, gehen wir im Businesskurs übrigens gemeinsam und mit Feedback zu deinen Bildern: fünf Monate, mit Live-Call jeden Sonntag um 10 Uhr. Nächster Start: 28. Februar 2027, 30 Plätze.

Kostenlos, jederzeit abmeldbar. Alle Details zum Kurs: zur Businesskurs-Seite.

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